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Ute Hermann

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Tauschen, Teilen, Abwechseln

Soziales Lernen im Kleinkindalter

Anna und Liam, eineinhalb und zwei Jahre alt: jeder will unbedingt und jetzt die Trommel – oder das Auto, die Puppe, die Brezel, den Platz auf dem Schoß, ..... - haben.

Was passiert? Entweder der Stärkere erobert das begehrte Objekt und der Besiegte schreit lauthals  – oder ein Erwachsener greift ein und führt die Kinder zu einer, im besten Falle gerechten, Lösung.

 

Jeder kennt diese Kinderstreiterein. Sie gehören zu einer gesunden Entwicklung einfach dazu.

Wenn ein Kind zur Welt kommt, kennt es ausschließlich seine eigenen Bedürfnisse und dies ist überlebenswichtig. Hunger und Durst, Schmerzen, Einsamkeit und Angst, oft auch Müdigkeit werden durch Schreien geäußert. Eine andere Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, kennt der Säugling noch nicht. Auf die unmittelbare Reaktion eines liebevollen Erwachsenen ist das Baby angewiesen.

Bis zum eigenen Erwachsenenalter sollte ein Mensch dann allerdings gelernt haben, sich in eine Gruppe einzufügen und für sich einen gesunden Ausgleich zwischen Eigen- und Nächstenliebe zu finden.

 

Wenn ein Kind sich selbst als eigenständige Persönlichkeit wahrnimmt, bekommt der eigene Wille ein ganz neues Gewicht. Der spannendste Abschnitt des sozialen Lernens ereignet sich im Kleinkindalter. Die Kinder machen die Erfahrung, dass sie ihre Wünsche und Ziele realisieren können, indem sie „selbst wirksam“ werden. Sie haben ein Ziel vor Augen und wollen dieses umsetzen. Dabei können Kinder dieses Alters sich noch nicht in die Lage ihres Gegenübers hineinversetzen. Immer wieder muss ausprobiert werden: Was alles kann ICH bestimmen? Welche Möglichkeiten habe ich, um MEINEN Willen durchzusetzen? Kinder im Trotzalter ziehen oft alle Register und heulen dann voll Verzweiflung, wenn sie an ihre Grenzen stoßen und ihre Ohnmacht erfahren. Jedoch sind diese Grenzerfahrungen wichtig, so wichtig wie das Hinfallen und wieder Aufstehen beim Laufen lernen.

Grenzen sinnvoll festzusetzen, sie liebevoll und konsequent durchzusetzen – das ist die Kunst des Erziehens. 

 

Andere Kinder sind dabei die natürlichste Erziehungshilfe.  Kinder ab etwa einem Jahr sollten regelmäßig Kontakt zu ungefähr Gleichaltrigen haben. Sind Geschwister da, wächst das Baby ganz selbstverständlich in eine soziale Gemeinschaft hinein.   Bei Einzelkindern sollte dieser Kontakt bewusst herbeigeführt werden, sei es auf dem Spielplatz, im Kinderturnen, in einem Spielkreis oder durch Besuche bei Freunden mit Kindern.

Eltern erleben dabei manchmal Folgendes: Ihrem Liebling wird im Sandkasten die Schaufel weggenommen – was tun Sie? Das fremde Kind schimpfen? Die andere Mutter, den anderen Vater auffordernd angucken? Und wenn ihr Kind der „Bösewicht“ ist? Solche  Situationen erfordern viel Fingerspitzengefühl. Die Einstellung „Das sollen die Kinder unter sich ausmachen!“, ist im Kleinkindalter keine Lösung – der körperlich Stärkere würde immer gewinnen.  Sozialkompetenz als Erziehungsziel setzt voraus, dass wir Erwachsenen  für einen Ausgleich sorgen. Soziales Verhalten muss eingeübt werden, es stellt sich nicht von alleine ein.

 

Um ein Kind großzuziehen braucht es ein ganzes Dorf“ (Afrikanisches Sprichwort)

Noch vor 60 Jahren war es normal, dass Kinder in Gruppen aufgewachsen sind: in der Großfamilie, in der Dorfgemeinschaft, oft auch zeitweise betreut von der Oma oder „Tante“, wenn die Eltern beschäftigt waren. Ohne hier die „gute alte Zeit“ mit ihren Erziehungsmethoden zu idealisieren -  in solchen Gruppen kann soziales Verhalten viel selbstverständlicher, quasi nebenher, erlernt werden. Es ist ein Phänomen unsrer Zeit, dass ein Kind immer häufiger allein mehreren Erwachsenen gegenübersteht. Ein „Großer“ wird aber viel eher dazu neigen, ein Kind, zum Beispiel bei einem Spiel absichtlich gewinnen zu lassen. Ein anderes Kind tut das nicht. Sich an Regeln halten, Frust aushalten – das sind wichtige Aspekte einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit, die unter Gleichaltrigen viel leichter angenommen werden können.

 

....die Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und  gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.....“ So steht es im Gesetzbuch (SGB VIII). Eine Erzieherin oder Tagesmutter - die Männer mögen mir die feminine Form hier verzeihen und sich auch angesprochen fühlen - hat es dabei als neutrale Person einfacher als die Eltern. Ihr wird man in der Regel nicht unterstellen, dass sie immer einseitig für ein Kind Partei ergreift. „Manche Kinder kommen nur zu mir, weil den Eltern dieses  soziale Lernen in einer kleinen Gruppe für ihr Kind so wichtig ist.“, sagt eine Tagesmutter. Mal abgesehen davon, dass es oft auch den Eltern einfach gut tut, manchmal eine kleine Pause vom Erziehungsalltag zu haben - Mutter und Vater können die Erfahrungen  in einer Gruppe Gleichaltriger nicht ersetzen. 

 

Und was macht die Erzieherin oder Tagesmutter bei Kinderstreit?

Oft klappt es mit dem Tauschen: „Wenn du deinem Spielkameraden den Luftballon gibst, gibt er dir vielleicht den Ball ab. Frag ihn doch mal!“ Es gibt dann 2 Gewinner, ein wichtiger Schritt hin zu einem guten Konsens; ein positives Erlebnis, welches soziales Verhalten fördert.

Teilen“ ist da schon  schwieriger, denn es bedeutet Verzicht. Der positive Aspekt kann hierbei die Freude und der Dank des Anderen sein und natürlich ein dickes Lob des Erziehenden.

Abwechseln“ verlangt ein Aufschieben des eigenen Wunsches. Je öfter hierbei eine positive Erfahrung gemacht wird – ich bekomme den Teddy tatsächlich nach wenigen Minuten -  desto leichter fällt es den Kindern  mit der Zeit.

Hilfreich oder sogar Voraussetzung ist bei all diesen Konfliktlösungen die zunehmende Sprachkompetenz der Kleinkinder,  durch die auch ihre Handlungsmöglichkeiten zunehmen. 

 

Ohne Führung durch die  „Großen“ – ‚Eltern, Erzieher, Tagesmütter, ..... -  aber geht das alles zunächst nicht. Wenn die Kinder dann von sich aus teilen, sich einigen, sich gegenseitig helfen oder auch trösten und Rücksicht nehmen - dann können wir Erziehenden uns stolz auf die Schulter klopfen: ein wichtiger Schritt zu einem Menschen mit Sozialkompetenz ist geschafft.