Leider auf absehbare Zeit kein freier Platz mehr

 

Belegungsplan

Kontakt:

Ute Hermann

Altenbergstraße 67

74189 Weinsberg-Grantschen

Tel.: 07134/9119311

E-Mail: u.c.hermann@web.de

Wie viel Kita braucht ein Kind?

„Sprachförderung für alle Kinder“ – „Sandkasten-Ingenieure“ – „Native-english-speakers als Betreuungspersonen“ –diese Parolen suggerieren uns, dass nur professionell  betreute Kinder optimal gefördert werden. Ganztageseinrichtungen werden hoch gepriesen, Öffnungszeiten sollen im Idealfall Tag und Nacht abdecken, damit die Eltern dem Arbeitsmarkt flexibel zur Verfügung stehen.

Und aus dieser Richtung kommt auch der  Bedarf an umfassender Kinderbetreuung: für den Arbeitsmarkt ist es ideal, wenn Menschen möglichst flexibel eingesetzt werden können. Für Eltern ist  Berufstätigkeit nicht nur zum Verdienen des benötigten Geldes wichtig, sondern auch für Selbstbestätigung und soziale Kontakte.  Eltern, die sich kinderfreie Zeiten gönnen, genießen die Zeiten mit ihrem Kind in der Regel umso mehr. Sie sind dann sogar feinfühliger im Umgang mit ihrem Nachwuchs. Für diese Auszeiten von der Kinderbetreuung braucht es allerdings keinen Vollzeitjob. Es soll hier bestimmt nicht das „Heimchen am Herd“ als Idealbild aus der Schublade geholt und die Freude an beruflicher Tätigkeit mit einem schlechten Gewissen vergällt werden. Aber in Fürsorge für ihr Kind sollten Eltern genau hinschauen, welche Vor- und Nachteile Kinderbetreuung hat.

Was brauchen nun unsere Kleinen tatsächlich?

Zuvorderst steht das Bedürfnis nach einer sicheren Bindung zu wenigen Bezugspersonen. Für Unter-Dreijährige ist Schichtwechsel in der Kinderkrippe nicht bekömmlich. Bei außergewöhnlichen Arbeitszeiten, die in einer öffentlichen Einrichtung nur durch wechselnde Personen gewährleistet werden kann, ist eine Tagesmutter(offiziell Tagespflegeperson) die bessere  Alternative, denn da hat das Kind nur eine Bezugsperson außerhalb der Familie: morgens, mittags, abends und selbst nachts.

Was passiert, wenn den Kleinsten ein ständiger Wechsel der Bezugsperson zugemutet wird?  Zunächst meistens nicht wirklich viel, denn Kinder sind sehr anpassungsfähig. Nach erstem - mehr oder weniger heftigen - Protest finden sich Kinder mit ihrer Situation ab. Aber die hierbei erlernten Bindungsmuster prägen fürs ganze Leben. Und: Lernen gelingt am  besten auf der Grundlage einer sicheren Bindung.

Und das ist das zweite Bedürfnis von Kindern: sie wollen ihre Welt erkunden, soziale Beziehungen  eingehen,  ihr eigenes Handeln als wirksam erleben. Dazu braucht es vielfältige Anregungen und andere Kinder und Erwachsene. Hier kommt der Vorteil von professioneller Kinderbetreuung zum Tragen. Wenn Kinder nicht  genügend sinnvolle Anregungen erhalten, kann die Förderung in einer Kinderbetreuung einen Ausgleich schaffen.

Es kommt nun darauf an, das richtige Maß zwischen Welterkundung und Rückzug in den sicheren Hafen der Bindung zu festen Bezugspersonen zu finden. Das kann sehr verschieden sein, hängt individuell vom Wesen des Kindes ab, vor allem aber auch vom Alter.

Eltern, die sich entschließen,  in den ersten Lebensjahren weitestgehend persönlich für ihr Kind da zu sein, können mit ihrem Kind Spielkreise, Musikgarten, Babyschwimmen und vieles mehr besuchen. Oder sich ganz zwanglosauf dem Spielplatz mit anderen Eltern treffen.

Viele Eltern beginnen ihre Berufstätigkeit nach dem Babyjahr, wenn das Erziehungsgeld wegfällt. Dr. Jan Binder, Kinderarzt und Sprecher der Kinderärzte im Landkreis Heilbronn, beobachtet:„Eltern ist oft nicht bewusst, dass ein einjähriges Kind in den ersten Kindergartenmonaten mehr krank als gesund ist. Vor allem im Winterhalbjahr kommt ein Infekt nach dem anderen und spätestens beim Auftreten von Fieber dürfen (und sollten!) Kinder nicht mehr in die Kita. Es kommt daher oft zu Konflikten der Eltern (meist Mütter) zwischen der Pflicht gegenüber dem Arbeitgeber und der Versorgung des Kindes. Bei Betreuung durch eine Tagesmutter lassen sich Probleme in diesem Spannungsfeld meist leichter lösen.“

Stellen Sie sich also darauf ein, dass Sie bei Beginn der Berufstätigkeit häufig zu Hause sein müssen weil ihr Kind krank ist. Das kann zwar ganz schön lästig sein, aber für ihr Kind hat es in der Regel keine Langzeitfolgen. 

Anders sieht es aus, wenn man die hohe Stressbelastung betrachtet, der Kinder inTageseinrichtungen ausgesetzt sind. Vor ein paar Jahren streikten die Erzieherinnen, weil sie die Anforderungen und den Lärmpegel in Kinderbetreuungseinrichtungen als gravierende Beeinträchtigung erlebten. Die Kinder sind den gleichen Belastungen ausgesetzt. Und das hat Folgen:

Kinderarzt Dr. Jan Binder: “Wie Rainer Böhm, der Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums in Bielefeld-Bethel bei einer Fortbildung im letzten Jahr in Heilbronn mitteilte, ist die hohe Stressbelastung bei Kindern mittlerweile bestätigt durch Messung des Cortisol-Tagesspiegels. Je kleiner die Kinder sind und je länger die Fremdbetreuung ist, desto höher wurden die Stresshormone gemessen – auch bei qualitativ guten Kitas. Der Stress wiederum wirkt sich negativ auf das Verhalten der Kinder aus, aber eben auch auf die körperliche Gesundheit.“

Die Vielfalt an Betreuungsformen ist groß. Von der klassischen Tagesmutter, die sehr familiär neben ihren eigenen Kindern noch 2 oder 3 Tageskinder mitbetreut, bis zu großen Einrichtungen mit bilingualer Erziehung und viel freiem Bewegungsraum für die Kinder. Wo ist mein Kind gut aufgehoben? Und vor allem: Wie viel Zeit soll mein Kind dort verbringen? Eltern müssen die Vor- und Nachteile der Betreuungsformen abwägen und verantwortlich entscheiden. Unsere Kinder sind auf uns angewiesen. Sie brauchen Eltern, die ihre Bedürfnisse erkennen und ernst nehmen.

Ein Beitrag von Ute Hermann

www.tageskinder-heilbronn.de